|
|
|
Auf dieser Seite finden Sie Ausschnitte
aus Gesprächen mit Bewohnern des Internats. Jeten Bhengra Wie heißt Du, wie alt bist Du und woher kommst Du?
Mein Name ist Jeten Bhengra und ich bin 18 Jahre alt. Meine Familie lebt
Was sind Deine monatlichen Ausgaben Jeden Monat muss ich 150 Rs (2,50 Euro) für meinen Schlafplatz im Marengo Hostel bezahlen. Dazu noch rund 70 Rs (ca. 1,10 Euro) für den Strom. Um meinen Abschluss zu schaffen, bin ich auf Nachhilfeunterricht angewiesen, wofür ich ca. 1300 Rs (ca. 21,60 Euro) pro Monat ausgebe. Und dann muss ich jedes Jahr 3500 Rs (58,30 Euro) abgeben, um die Zulassung für mein College zu bekommen. Woher bekommst Du dieses Geld? Ich habe zwei ältere Brüder. Sie arbeiten beide in den Reisfeldern. Mit dem Geld, das sie verdienen, versuchen sie mich so gut wie möglich zu unterstützen, auch wenn es oft sehr hart für sie ist. Sie verdienen zwischen 2000 und 3000 Rs (33,30 - 50 Euro) im Monat. Von diesem Geld müssen sie ihre eigenen Familien ernähren und neben mir auch meine jüngere Schwester unterstützen, die ebenfalls ein College besucht. Trotzdem schaffen sie es, mir jeden Monat ca. 1000 Rs zu senden. Den Rest versuche ich selbst aufzubringen. Kommt Deine Familie ursprünglich aus Assam? Nein. Mein Großvater kam hierher nach Assam, um in den Teefeldern zu arbeiten. Eigentlich kommt meine Familie aus Jharkhand. Haben Deine Großeltern eine Schule besucht? Nein. Weder meine Großeltern noch meine Eltern konnten lesen oder schreiben. Meine Brüdern, Schwestern und ich sind die erste Generation in unserer Familie, die lesen und schreiben gelernt hat. Was sind Deine persönlichen Pläne für die Zukunft? Ich will meinen Abschluss schaffen und dann als Informatiker arbeiten. Sollte das nicht möglich sein, könnte ich mir auch vorstellen in einer Bank zu arbeiten.
Adivasi in Assam werden häufig auch als Teegarten-Arbeiter bezeichnet, da sie fast ausschließlich in den Teegärten arbeiten und in Dörfern am Rande dieser Gärten leben. Anm. d. Autors) Fühlst Du Dich manchmal diskriminiert, weil du ein Adivasi bist? Ja. Es ist zum Beispiel für uns hier in Assam viel schwieriger als für die anderen Tribes, eine Arbeit zu finden. Außerdem merken wir im Alltag, dass viele uns nicht als gleichwertig betrachten. Nachdem ich die Fragen ausgewertet und zusammengeschrieben habe, gebe ich sie Jeten, damit er sich das Interview in Ruhe durchlesen und überprüfen kann, ob alles korrekt ist und ich ihn überall richtig verstanden habe. Dann frage ich ihn, ob er noch etwas ergänzen möchte. Er liest sich den Text noch einmal durch und denkt dann eine Zeit lang nach. Ja, er möchte etwas ergänzen, sagt er schließlich. Wir Adivasi in Assam werden als Arbeiter bzw. Teegarten Arbeiter bezeichnet. Die meisten anderen Tribes behandeln uns wie eine niedrigere Klasse. Außerdem haben wir keinen Platz auf der „Sceduled List“ und wir sind vom Staat in Assam nicht als Tribe anerkannt. Die Menschen hier sehen uns als Migranten und verweigern uns dieselben Rechte, die jeder von ihnen hat. Deshalb ist es für uns so schwierig, etwas aus unserem Leben zu machen und aus den Teegärten herauszukommen. Die einzige Möglichkeit die uns bleibt, ist ein höheres Bildungsniveau zu erreichen und selbst dann ist es noch sehr schwierig für uns Adivasi, einen Arbeitsplatz außerhalb der Teegärten zu finden.
Weitere Interviews mit Bewohnern des Internats: |
||||||||||